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Caprivistreifen – und zurück nach Windhoek

In unseren letzten drei Tagen müssen wir die rund 1000km zurück nach Windhuk überbrücken. Damit das keine reine Fahrerei wird, planen wir drei Zwischenstopps: der Ost- und Westteil des Bwabwata Nationalpark und das Waterberg Plateau.

Im Bwabwata ergattern wir den letzten Platz in einer tollen Campinganlage direkt am Fluss mit Blick auf den Nationalpark. Die Stellplätze sind mit >500m² riesig und wir genießen den Nachmittag und Abend auf der Terrasse der Bar am Fluss – nur etwas gestört durch eine etwas aufdringliche Busreisegruppe aus dem Ruhrpott. Am morgen sind wir schon kurz leicht schockiert, als sich die ganze Gruppe zur morgentlichen Bootsfahrt einfindet, wir haben aber Glück und bekommen unser eigenes Boot inkl. super nettem Kapitän. Dieser fährt uns rund 2,5 Stunden über den Fluss, und wir sichten einen der Hauptgründe für die Bootsfahrt: mehrere größere Hippofamilien, die sich im seichten Wasser suhlen <3

Den Rest des Tages verbringen wir mit zwei Safaris im Park, immer auf der Suche nach Wildhunden und in der Hoffnung auf einen weiteren Leoparden. Leider diesmal ohne Glück, aber wir kommen trotzdem mit einer spannenden Erfahrung im Gepäck bei unserem nächsten Campingplatz an:

Während wir durch den Nationalpark fahren – und wegen das nahenden Sonnenuntergangs schon etwas im Stress sind – steht auf einmal ein Elefant vor uns auf dem Weg. Die Geschichten aus dem Etosha Nationalpark noch im Hinterkopf, bleiben wir stehen, warten ab bis er sich gut 20m in Richtung Busch bewegt und fahren langsam an ihm vorbei. Als wir für ein schnelles Foto nochmal kurz stehen bleiben, dreht er sich um, wackelt mit den Ohren und trompetet uns so laut an, dass Kerstin beinahe die Kamera aus der Hand fällt… Das war eine doch recht eindeutige Aufforderung weiterzufahren…. 🙂

Nach einer weiteren Nacht auf einem wunderschönen Campingplatz am Fluss, können wir am nächsten Morgen noch die Flusspferde und eine Herde Büffel beobachten. Und wir sind sogar kurz Zeugen einer Löwin auf Jagd, allerdings so weit entfernt, dass es kaum erkennbar ist… An Fotos ist gar nicht zu denken…

Soweit sind wir vom Caprivistreifen gesättigt und fahren weiter zum Waterberg Plateau, wo wir unseren letzten Tag verbringen werden. Die Fahrt und die Landschaft sind wieder einmal spektakulär, das Plateau ragt plötzlich aus der flachen Landschaft hervor. Als hätte es jemand dort künstlich platziert, und tatsächlich dient es hauptsächlich als Reservat für die stark gefährdeten Breit- und Spitzmaulnashörner, die hier zu ihrem eigenen Schutz angesiedelt wurden. Leider kann die morgentliche Safari – mit leider uninspiriertem Guide – überhaupt nicht mit der Landschaft mithalten, aber wenigstens bekommen wir noch einen Büffel aus nächster Nähe vor die Linse Winking smile

Unsere letzte Nacht verbringen wir zwei Stunden von Windhuk entfernt auf einer privaten Farm mit Wasserloch, einem Krokodil und wunderschönem Sonnenuntergang mit namibischem Bier, bevor wir das Auto am nächsten Morgen zurückgeben und zum Flughafen gebracht werden.

NAMIBIA war die Reise auf jeden Fall wert!

Viktoriafälle – neue Stempel im Pass

Wir haben uns also entschieden die einsame Wüste des Damara- und Kaokovelds im Nordwesten von Namibia links liegen zu lassen – was die deutlich entspanntere Variante gewesen wäre und auch von den meisten Namibiareisenden gemacht wird – und stattdessen über den “Caprivistreifen” im Nordosten die Grenze nach Botswana und Zimbabwe zu überqueren, um die weltberühmten Viktoriafälle zu besuchen.

Die Fahrt dahin führt uns nicht nur über zwei Grenzen und durch drei Nationalparks, sondern ist mit 1200km nicht mal annähernd an einem Tag zu schaffen. Wir verlassen den Etosha Nationalpark gegen Mittag und fahren zunächst bis Rundu, quasi das Eingangstor in den rund 500km langen und 50 km breiten Caprivistreifen, den die Deutsche Kolonialverwaltung Ende des 19ten Jahrhunderts von den Engländern erhandelte (hauptsächlich, um Schifffahrt zwischen deutschem Ost- und Westafrika zu ermöglichen und dabei vergaß, dass es schwer sein könnte ein Schiff über die Viktoriafälle zu hieven Open-mouthed smile). In Rundu verbringen wir eine Nacht auf dem Campingplatz einer hübschen Lodge direkt am Fluss Sambesi, der Namibia und Angola trennt und überlegen uns, ob wir die restlichen 700km an einem Stück oder in mehreren Etappen bewältigen wollen.

Wir entscheiden uns für die Brechstange, dann wird die Rückfahrt etwas entspannter. Denn schon die Fahrt durch den Caprivistreifen ist ein Erlebnis. Bedingt durch den nahen Fluss, sind Wüste und Savanne einem saftigen Immergrün gewichen. Hier wachsen majestätische Bäume, unter anderem der aus dem Film “Die lustige Welt der Tiere” bekannte Marulabaum, der leicht alkoholische Früchte trägt, aus welchen das Getränk “Amarula” hergestellt wird – das wir natürlich probieren Smile

Nach einigen Stunden erreichen wir die erste Grenze nach Botswana, und bis auf das Bezahlen einer kleinen Straßenmaut läuft die Aus- und Einreise hier super entspannt. Das ändert sich dann an der Grenze nach Zimbabwe, hier brauchen wir über eine Stunde für sämtliche Formalitäten, unter anderem müssen wir eine Versicherung und Zoll für unser Mietauto bezahlen. Kurz nach dem Sonnenuntergang erreichen wir dann die Stadt “Victoria Falls”, auf dem Weg dorthin spotten wir sogar noch ein paar Elefanten am Straßenrand!

Wir gehen dann auch früh ins Zelt, denn wir möchten früh aufstehen, um den Touristenmassen an den Wasserfällen zuvorzukommen, und das wird sich lohnen. Gegen 7 Uhr sind wir vor Ort und haben die Fälle erstmal fast für uns alleine, aber erstmal sehen wir zwischen all der Gischt fast nichts. Nach einem Frühstück im Park wird es aber besser, die Gischt hat sich teilweise gelegt und offenbart uns einen wunderbaren Blick auf Teile der Fälle, der Rest wird auf Grund des Hochwasserstandes verborgen bleiben. Aber das Gefühl diese Naturgewalt der riesigen Fälle nur wenige Meter vor unserer Nase haben – an manchen Stellen werden wir durch horizontalen “Regen” klatschnass – ist einfach unbeschreiblich. Immer wieder tauchen Regenbögen auf oder die Gischt verzieht sich kurz und gibt den Blick auf einen Teil des Wasserfalls frei. Nebenbei lauschen wir dem tosenden Geräusch – nur unterbrochen durch die regelmäßigen Hubschrauber über dem Gebiet – und folgen dem hypnotisierenden, rund 110m tiefen Fall der Wassermassen.  So verbringen wir fast 4 Stunden an den Fällen, bis wir – völlig durchnässt – den Rückweg zum Camp antreten und beschließen noch eine Nacht zu bleiben.

Wir verbringen die heiße Mittagszeit am Pool des Campingplatzes, gehen noch ein wenig Souvenirshoppen und abends in eine Bar mit Livemusik. Das haben wir uns nach der vielen Fahrerei auf jeden Fall verdient und der Aufwand hat sich definitiv gelohnt.

Am nächsten Morgen geht es zurück über beide Grenzen – diesmal dauert es auf Grund des Ostersonntags auf der namibischen Seite am längsten – an die Ostgrenze des Bwabwata Nationalparks, aber das ist die nächste Geschichte!

Etosha Nationalpark – Self-Driving Safari

Wir planen von Westen nach Osten durch den Etosha Nationalpark zu fahren und entlang dieser Route auf Campingplätzen im Park zu übernachten. Dadurch haben wir drei volle Tage für unsere erste Safari ohne Guide, und die Taktik ist eigentlich recht einfach: Der Etosha ist übersäht mit natürlichen und künstlichen Wasserstellen, dort sollten die Tiere ja irgendwann auftauchen – vor allem morgens und abends – und wir werden einfach so viele wie möglich davon “abklappern”. Ob wir damit wohl an die Sichtungserfolge unserer Guides in Kenia anknüpfen können?… UND OB !!!!

Der erste Tag hat noch nicht die “ganz großen” Highlights zu bieten, aber wir grooven uns erstmal mit Antilopen, Zebras und Gnus ein. Außerdem erspähen wir an einem Wasserloch eine Giraffe mit Kind, und einer Giraffe beim Trinken zuzusehen, ist echt ein Erlebnis. Zunächst wird vorsichtig die Umgebung abgecheckt, dann werden die Beine gespreizt, noch ein finaler Rundumblick und dann geht es in die Knie und es wird getrunken. Einfach köstlich!!!

Am Abend erspähen wir dann noch zwei Löwen in der Ferne und schießen ein grandioses Foto eines einzelnen Elefantenbullen im Sonnenuntergang unter einem Regenbogen. Da man Nachts nicht alleine im Park fahren darf, müssen wir um 19:40 zurück am Campingplatz sein, als wir ankommen ist das Tor aber bereits geschlossen und wir stellen uns schon auf eine Nacht im Freien ein, als sich dann doch ein Mitarbeiter – die hier leider oft seeeeeeehr träge sind – an das Tor bequemt und meint wir wären über eine Stunde zu spät, die Tore schließen zum Sonnenuntergang. Keine Ahnung wo dieses Missverständnis herkam, die Dame an der Rezeption war nämlich sehr eindeutig mit ihrer Zeitangabe, aber er lässt sich breitschlagen und lässt uns ins Camp.

Wir stehen früh auf und fahren zurück zum Wasserloch wo wir die Löwen erspäht hatten, vielleicht sind sie ja noch da. Leider sind sie weitergezogen, dafür entdecken wir eine einzelne Hyäne und drei kämpfende Schakale!!! Bis zum frühen Nachmittag wird das unsere spektakulärste Entdeckung bleiben, dann erspähen wir unter einem Baum einen einzelnen Löwen den wir ein Weilchen beobachten. Irgendwann drehen wir uns um, und hinter uns am Wasserloch sind drei Elefanten aufgetaucht! Wo kamen die denn jetzt her? Surprised smile 

Am späten Nachmittag checken wir am nächsten Campingplatz ein und wollen eigentlich eine Nachtsafari machen, aber die – wieder sehr unmotivierte  – Dame an der Rezeption erklärt uns, dass das heute nicht geht. Deswegen fahren wir auf eigene Faust nochmal durch die Gegend und entdecken kurz vor Sonnenuntergang ein Nashorn in der Ferne!!! Und damit nicht genug, das beleuchtete Wasserloch am Campingplatz wird ein paar Stunden später – nachdem wir gegessen haben – noch von 10 Nashörnern (davon 2 Jungtiere) besucht. Was für ein Glück, ob wir das noch toppen können?

Und wie! Am nächsten Morgen laufen wir zur Hochform auf, entdecken zuerst ein weiteres Nashorn, dann ein Rudel Löwen und kurz danach einen Leoparden. Als wir danach noch eine riesige Elefantenfamilie an einem Wasserloch sehen, haben wir die “Big 4” in rund drei Stunden gesichtet, das soll uns erstmal Eine:r nachmachen!!! Open-mouthed smile

An unserem letzten Abend am Campingplatz ganz im Osten des Parks, ist dann eine Nachtsafari verfügbar. Die total nette und engagierte – ja sowas gibt es hier auch – Fahrerin fragt die Gruppe, was wir denn gerne sehen würden. Während unsere Mitreisenden kleine Brötchen backen, ist Kerstin die Vorlauteste und wünscht sich ein paar Geparden. Während die anderen noch über so viel Naivität schmunzeln, fährt unser Auto aus dem Camp, biegt zweimal ab und bleibt stehen. Die Fahrerin leuchtet mit ihrem Scheinwerfer nach rechts und sagt “Geparden”! Fünfzehn Meter neben der Straße auf freier Fläche und dann laufen die 3 Brüder auch noch gemütlich vor unserem Auto vorbei. Während die anderen Kerstin noch ungläubig begutachten, fragt unsere Guide nur, ob sie uns wieder am Camp absetzen soll Winking smile

Natürlich nicht, wir entdecken nämlich noch eine riesige Herde Giraffen, die vor uns her galoppieren und wieder Elefanten und Nashörner gemeinsam an einem Wasserloch. Nachts ist hier echt Betrieb und das rote Scheinwerferlicht des Autos – damit die Tiere nicht gestört werden – verleiht der Szenerie eine fast magische Stimmung.

Am nächsten Morgen fahren wir nochmal zurück zu der Stelle wo wir die Geparden entdeckt hatten, und siehe da, sie sind tatsächlich noch in der Nähe – wenn auch ein gutes Stückchen von der Straße entfernt! Wir beobachten sie eine Weile und hoffen ein bisschen, dass sie vielleicht Geschmack an einer der in der Nähe grasenden Antilopen finden würden. So viel Glück haben wir zwar nicht, aber das Warten lohnt sich dennoch. Sie brechen nämlich irgendwann ihre Lauer ab und bewegen sich gemächlich in Richtung Straße – wo sich inzwischen duzende Autos angesammelt haben – und wir können sie aus nächster Nähe beobachten. Leider verkommt das ganze dann auf Grund der vielen Autos zu einem kleinen Spießrutenlauf für die Geparden, die gerne die Straße überqueren würden, aber immer wieder von unaufmerksamen Tourist:innen durch Starten von Motoren oder Blitzlicht gestört werden. Das ist wohl die Kehrseite, wenn man Leuten gestattet selbst durch Nationalparks zu fahren, aber die Geparden könnten sich natürlich jederzeit von der Straße verziehen und hätten wieder mehr Freiraum.

Naja, uns reicht es dann auch und wir verabschieden uns von den Automassen und fahren in Richtung Caprivi-Streifen um die Grenze nach Botswana zu den Viktoriafällen in Zimbabwe zu fahren. Das kostet uns zwar fast zwei Tage Autofahrt, aber die Landschaft wird uns dafür belohnen!

Skeleton Coast – Robben am Cape Cross

Der Weg zum weltberühmten Etosha Nationalpark führt uns zunächst zur sogenannten “Skeleton Coast”, deren Name  auf die zahlreichen Schiffbrüche in dieser Gegend zurückzuführen ist. Neben ein paar kleinen Wracks am Strand ist davon aber relativ wenig zu sehen und zu einem Rundflug über die Küste fehlt uns die Motivation.

Für uns viel interessanter ist die in der Nähe gelegene Robbenkolonie – genauer: Zwergpelzrobben – am “Cape Cross”, die gegen einen kleinen Eintritt besichtigt werden kann. Hier tummeln sich hunderttausende weibliche Robben mit ihrem nun rund 4-5 Monate altem Nachwuchs – die Männchen kommen nur zur Paarungszeit im Oktober an die Küste. Zunächst empfängt uns ein beißender Gestank und wir überlegen kurz unsere FFP2-Masken zweckzuentfremden, aber die Nase gewöhnt sich doch recht schnell daran. Und so schlendern wir rund eine Stunde über den Holzsteg durch die Kolonie und beobachten die Robben aus teils nächster Nähe. Manche schlafen unter dem Steg, tausende tummeln sich am Strand und im Wasser, wir sehen erste Schwimmübungen von Jungrobben, säugende Mütter und ein kleines auf Muttersuche – man möchte es am liebsten in den Arm nehmen und trösten Crying face. Die Masse an Robben und die damit verbundenen Eindrücke sind einfach überwältigend!!!

Da der Etosha Nationalpark zu weit ist, müssen wir noch eine Nacht zwischenstoppen, danach geht es über den Westeingang in den Nationalpark, wo uns hoffentlich ein paar Tiersichtungen erwarten…

Spitzkoppe – Wandern, Klettern, Abseilen! Alles das gleiche in Namibia

Unser nächster Stopp ist der Spitzkoppe Nationalpark, wir kommen abends an und suchen uns einen schönen Campingplatz direkt am Fuße der großen Spitzkoppe. Der Park besteht hauptsächlich aus roten Felsen in allen möglichen Formationen und ist daher natürlich ein Paradies für Naturliebhaber, Wanderer und Kletterer.

Die Wanderung auf die große Spitzkoppe ist mit 4-5 Stunden und 700 Höhenmeter angegeben, eigentlich ein Morgenspaziergang für uns Winking smile  Die Wanderung ist nur mit Guide erlaubt, deshalb schnappen wir uns am nächsten Morgen einen und laufen gemütlich bis zum Beginn des Anstiegs. Währenddessen erwähnt unser Guide noch, dass es auf dem Weg einige Stellen gibt, an denen Ketten für bestimmte Passagen angebracht wurden. Easy, denken wir uns. Eine Wanderung mit ein paar Klettersteigpartien, haben wir ja schon öfters gemacht. Als wir dann mit dem Anstieg beginnen, merken wir schnell, dass es sehr steil nach oben gehen wird. Spätestens an der ersten Kette, das ja anscheinend noch die einfachste sein soll (und trotzdessen haben laut unseres Guides hier schon viele umgekehrt), merken wir, dass es eher eine Kletterpartie und nicht besonders viel wandern wird.

Und so kämpfen wir uns steil nach oben, immer mit dem Gedanken, wie wir da wohl wieder runterkommen sollen. Schließlich kommen uns ein Guide mit 2 Schweizern entgegen, die uns bestätigen, dass die Aussicht oben gigantisch ist. Genau diese Motivation hatten wir gebraucht. Es geht weiter nach oben, über weitere Ketten, sehr steile Partien, Abgründe zu beiden Seiten, Baumwurzeln als einzige Möglichkeit weiter hoch zu kommen usw.

Von wegen “entspannter Morgenspaziergang”, nach knapp vier Stunden kommen wir endlich oben an, genießen die fabelhafte Aussicht über den Park und die umliegenden Berge. Irgendwie hat sich die Wanderung ja schon gelohnt, wäre da nicht der Rückweg…Dieser liegt nun komplett in der Sonne, 30°C Tendenz steigend, und größtenteils ist es in alle Richtungen so steil, dass wir sitzend runterrobben. Unser Guide ist 18 Jahre und erst seit 3 Monaten dabei, und leider nicht sehr vorausschauend und dadurch keine allzu große Hilfe – bis Kerstin dann irgendwann panisch “help” schreit… Unsere Kräfte sinken exponentiell mit jedem Schritt nach unten, der Muskelkater ist zumindest bei Kerstin für eine Woche vorprogrammiert.

Unten angekommen, sind wir froh es geschafft zu haben und schleppen uns für ein kaltes Bier zur Bar. Danach, und nach einer Freiluftdusche, sieht die Welt schon wieder anders aus und wir fahren zum Sonnenuntergang noch zu dem Bridge Rock, der sehr an den Arches Nationalpark in Utah erinnert.

Währenddessen überdenken wir noch unsere ursprüngliche Routenplanung. Nach 10 Tagen Wüste wollen wir noch ein anderes Gesicht Namibias kennenlernen und wollen unseren Vermieter kontaktieren, ob wir über die Grenzen von Botswana und Zimbabwe zu den Victoriafällen fahren dürfen… Zunächst geht es aber am nächsten Morgen über die Skeleton Coast zum großen Highlight Namibias, dem Etosha Nationalpark… 

Swakopmund – kleiner kolonialer Zwischenstopp am Atlantik

Namibia ist etwa 2.5 mal so groß wie Deutschland, aber mit 2.4 Millionen Einwohnern eines der am dünnsten besiedelten Ländern der Welt. Dementsprechend vergehen zwischen zwei Ortschaften gerne mal mehrere hundert Kilometer Autofahrt. Klingt erstmal langweilig, aber da sich die Landschaft quasi ständig ändert und immer wieder Tiere auftauchen – hauptsächlich Giraffen, Antilopen und Sträuße – macht die Fahrt richtig Spaß. Auf dem Weg an die Küste fahren wir durch den Namib-Naukluft Nationalpark und überqueren den Guiseb Canyon.

Die Ortschaften selbst haben da deutlich weniger zu bieten, die für Flamingos bekannte Bucht in Walvis Bay hat einen riesigen, hässlichen Containerhafen im Hintergrund, der die Stimmung leider etwas zerstört. Deshalb fahren wir auch direkt weiter nach Swakopmund, das ein wenig mehr zu bieten hat. In diesem für Actionsport bekannten Ort, gibt es wieder viel deutsche Architektur im Jugendstil, ein paar nette Cafés, Restaurants und Bäckereien und einen netten – aber etwas fehlplatziert wirkenden – rund 100m langen Pier an der ansonsten schönen Strandpromenade. Wir schnaufen einmal durch, schlendern durch die Stadt und finden sogar eine vegane Pizzeria – der dummerweise der selbstgemacht vegane Käse ausgegangen ist… Open-mouthed smile

Bevor wir Swakopmund endgültig hinter uns lassen, fahren wir nochmal in den Namib-Naukluft Nationalpark entlang des sogenannten “Welwitschia Drives”. Neben der immer noch faszinierenden Wüstenlandschaft, geht es hier hauptsächlich um die namensgebende Welwitschia-Pflanze. Sie schafft es trotz der extremen Trockenheit immergrüne Blätter zu produzieren, was Forscher:innen bis heute fasziniert und wird ganz nebenbei mehrere hundert Jahre alt. Das größte und älteste Exemplar finden wir am Ende des Weges, das auf unglaubliche 1500 Lebensjahre geschätzt wird.

Nachdem wir unsere Vorräte aufgestockt haben, geht es weiter zur Spitzkoppe, das Matterhorn des südlichen Afrikas…

Sossusvlei – Dünen hoch

Die folgenden zwei Tage verbringen wir im Nationalpark von Sossuslvei, welcher für seine einzigartigen hohen, roten Dünen bekannt ist – je nach Messart sind es sogar die höchsten Dünen der Welt. Als wir gegen Mittag am Campingplatz am Parkeingang ankommen, stoßen wir auch auf die ersten Spuren von unseren tschechischen Mitreisenden, sie stehen in der Buchungsliste nämlich eine Zeile vor uns, allerdings für die vorherige Nacht, vermutlich sind sie also schon weg… – ja mit dem Datenschutz ist es hier nicht so weit her, man kann eigentlich immer beim einchecken nachlesen, wer sich gerade auf dem Campingplatz aufhält Winking smile

Vom Campingplatz aus führt eine 60km lange Straße zur Hauptattraktion des Parks, die Dünen des Deadvleis und eben des Sossusvleis. Beides sind ausgetrocknete Überschwemmungsbecken des Flusses “Tsauchab”, der sich am Parkeingang noch im “Sesriem”-Canyon erstreckt und es bei besonders starken Regen schaffen kann, zwischen den Dünen hindurch zu fließen und die sogenannten Vleis zu fluten. Da das in den letzten Jahren nicht passiert ist, sind die Becken aktuell ausgetrocknet, trotzdem finden sich Bäume auf den ausgetrockneten Flächen und bieten eine tolle Fotokulisse zwischen den mehrere hundert Meter hohen Dünen. Wir fahren die Strecke zweimal, zum Sonnenunter- und nochmal zum Sonnenaufgang und erleben die herrliche Stimmung des warmen Lichts in den tiefrot scheinenden Dünen.

Nach 17 und vor 11 Uhr sind die Temperaturen auch erträglich, morgens ist es sogar richtig kalt – vor allem wenn man barfuß eine Düne erklimmt Smile – was wir natürlich ausgiebig auskosten. Besonders beeindruckt uns die Morgensonne im Deadvlei, welches schon so lange nicht mehr geflutet wurde, dass alle Pflanzen abgestorben sind. Da es aber zu heiß und trocken ist, verdorren die Bäume nicht mehr und stehen einfach wie schwarze, mumifizierte Skelette im Vlei – umgeben von den Dünen.

Aber nicht nur die Dünen, schon die Fahrt in die Vleis ist ein kleines Erlebnis. Die letzten fünf Kilometer ist es keine Straße mehr, sondern einfach eine Fahrt auf den teils duzende Zentimeter tiefen Sand. Gut, dass wir uns für das Auto mit Allradantrieb entschieden haben, ohne das wäre hier kein Durchkommen. Und selbst mit erfordert es eine gute Portion Mut, mit Vollgas durch den weichen, tiefen Sand zu düsen. Beim Rückweg am Abend müssen wir einem steckengebliebenen Japaner aus der Patsche helfen. Bei der Hinfahrt sehen wir noch, wie er steckenbleibt, zu unserem Unverständnis hilft ihm aber bis zu unserer Rückkehr niemand, das Auto wieder freizubekommen. Die uns entgegenkommenden Autos haben ihn wohl ignoriert, und selbst als wir versuchen ihn auszubuddeln, fährt ein Ranger einfach ohne mit der Wimper zu zucken an uns vorbei. Da der Park bald schließt, packen wir ihn schließlich in unser Auto und nehmen ihn mit zum Campingplatz. Am nächsten Morgen wird sein Auto dann von Parkaufsehern befreit, das von seinem Auto gegrabene Loch ist deutlich sichtbar. Leider eine etwas ernüchternde Erfahrung, und wir müssen ein wenig an Kenia zurückdenken, das wäre dort undenkbar gewesen.

Weiter geht es über die Küstenorte Walvis Bay und Swakopmund zur Spitzkoppe…

Von Lüderitz durch die Namib

Lüderitz ist eine Siedlung und Hafen am Atlantik, die für ihre Jugendstilarchitektur bekannt ist – sie entstand nämlich in der deutschen Kolonialzeit um 1900 buchstäblich aus dem Nichts. Einen Namen hat sie sich aber in der deutschen Kolonialzeit als Diamantenhochburg gemacht. Ein deutscher Ingenieur fand hier während seiner Tätigkeit als Aufseher über den Bau einer Bahnstrecke Diamanten im Sand und kurze Zeit später war nicht nur er steinreich, sondern auch die ganze Gegend um Lüderitz als Sperrgebiet ausgezeichnet und während der nächsten Jahrzehnte wurden tonnenweise Schmuckdiamanten aus dem Sand gefischt.

Heute erinnert daran hauptsächlich die Geisterstadt Kolmanskuppe, die bekannteste der damals vielfältigen Bergarbeiterdörfchen mitten in der Wüste, welche heute besichtigt werden kann. Und so stolpert man mitten in der Namib über die Ruinen der deutschen Kultur des frühen 20. Jahrhunderts, über Metzger- und Bäckereiläden, eine Turnhalle mit Reck und Bock sowie eine Kegelbahn mit deutschen Spielregeln an der Wand. Alles recht witzig und mit süßem deutschen Akzent von unserer Führerin erklärt, aber irgendwie ein bisschen zu viel Deutschkitsch für unsere Bedürfnisse. Das beeindruckende kommt eigentlich erst nach der Führung. Wir schlendern durch die langsam verfallenden Häuser, die sich teils mehr teils weniger mit Sand gefüllt haben und genießen das Spiel von Licht und Schatten in größtenteils einsturzgefährdeten Gebäuden. Hier könnte man sich tatsächlich stundenlang rein mit Fotografieren beschäftigen, ständig ändern sich die Lichtverhältnisse an den oft noch gut erhaltenden pastellfarbenen Innenwänden.

So lange halten wir unser aber nicht auf, sondern fahren weiter in die Namib auf eine private “Game Farm”. Wir lernen, dass Tierschutz in Namibia auch bedeutet, dass viele private Farmer ihr Geld mit Tourist:innen verdienen, die sich auf den Farmen einmieten und auf private Safaris auf dem Farmgelände begeben. Für Farmerinnen werden die Wildtiere – meist Antilopen, Zebras, Giraffen, aber teilweise auch Löwen und Nashörner – dadurch eine Einnahmequelle und ihr Schutz ist in ihrem Interesse. Da auf diesen Farmen teils auch Jagdlizenzen vergeben werden, hat diese Idee für uns einen faden Beigeschmack, aber es scheint zu funktionieren, denn der Tierbestand in Namibia ist seit Jahrzehnten relativ stabil und wächst teilweise auch.

Unsere Game Farm für diese Nacht beherbergt 3 Giraffen, von der wir eine auch schon direkt auf dem Weg zur Rezeption erspähen. Nach einer kurzen Abkühlung im Pool, wandern wir zum Sonnenuntergang einen kleinen Hügel hoch und genießen die gigantische Aussicht.

Der nächste Stopp ist die weltberühmte Dünenlandschaft von Sossusvlei, aber das findet ihr im nächsten Beitrag.

Kalahari – Wüste der Extreme

Nach Peru und Kolumbien sind wir zwar noch frisch im Südamerika-Fieber, aber der Reiz vor dem Semesterbeginn nochmal in den Flieger zu steigen ist zu groß und so können wir einfach nicht widerstehen. Allerdings wollen wir nicht direkt zurück nach Südamerika, sondern möchten uns nochmal an der Tier- und Pflanzenwelt des südlichen Afrikas versuchen und die Unterschiede zwischen dem “schwarzen” Ost- und “weißen” Westafrika mal an eigner Haut erfahren. Schnell kristallisiert sich Namibia als Ziel heraus, nicht nur auf Grund (oder trotz?) seiner deutschen Vergangenheit, sondern hauptsächlich weil wir nach all dem Backpacking mal wieder Lust auf einen Campingurlaub bekommen haben, und Namibia erscheint da als sehr lohnendes Ziel (und wird es auch werden Winking smile ).

Gesagt, getan, gebucht, geplant (in dieser Reiheinfolge… ), zwei Wochen später sitzen wir im Flieger von Wien über Doha nach Windhuk, der Hauptstadt Namibias. Dort werden wir bereits von einem Paar aus Tschechien und einem Fahrer unserer Mietwagenfirma (Savanna) erwartet, und zu unserem 4×4 Pickup mit Dachzelt gebracht. Uns wird kurz alles wichtige erklärt und dann sitzen wir auch schon im Auto auf dem Weg in den Süden Namibias. Die beiden Tschech:innen haben ähnliche Pläne wie wir, verbringen aber noch eine Nacht in Windhuk. Wir lassen Windhuk erstmal links liegen, denn viel spannendes konnten wir darüber nicht in Erfahrung bringen und wären nach der unglaublich aufregenden Erfahrung aus Nairobi vermutlich eh nur enttäuscht gewesen. Mal sehen, vielleicht treffen wir die beiden ja irgendwo auf dem Weg wieder…

Einen wirklichen Plan für die erste Nacht haben wir nicht, unser erster Stopp ist eigentlich ganz einfach. So weit es geht in die Kalahari bis es dunkel wird (gegen 19 Uhr) und dann auf einen schönen Campingplatz. Da alles doch etwas länger dauert als wir uns das vorgestellt haben (vor allem die Einreise), schaffen wir es nur knapp hinter den Rand der Wüste, wunderschön ist der Platz aber jetzt schon. Fast keine Menschen, eine brütende Hitze bis kurz nach Sonnenuntergang und ein (künstliches) Wasserloch, an dem sich ein paar Wüstenbewohner tummeln – die wir bei einem kalten Bier beobachten. Dabei werden wir immer wieder vom Hund der Besitzerfamilie aufgesucht, der etwas unserer Aufmerksamkeit abbekommen möchte. Ein gelungener erster (halber) Tag, der noch von einer unwirklich sternklaren Nach getoppt wird. Außerdem erfahren wir am eigenen Leib, dass mit den tiefen Nachttemperaturen in der Wüste, nicht zu scherzen ist. Es wird bitter kalt und wir beschließen die Zelttüren in Zukunft zu schließen…

Am zweiten Tag fahren wir dann tiefer in die Kalahari, bis kurz vor die botswanische Grenze. Wir fahren mit unserem Allradantrieb durch eine 22km lange Offroad-Strecke, entdecken verschiedene Antilopen, Zebras und Gnus und erleben einen bombastischen Sonnenuntergang in den charakteristischen roten Dünen der Kalahari. Einfach eine unglaubliche – und extreme – Landschaft, deren schroffe Schönheit sich nur schwer in Worte fassen lässt.

Am nächsten Tag geht es schon wieder raus aus der Wüste in Richtung der Küste. Davor stoppen wir aber noch ausgiebig an einem “Wald” aus Köcherbäumen. Diese für diese Gegend so typischen Bäume teilen ihren Stamm alle rund 30 Jahre in zwei. So entsteht ein wunderbar gleichförmiges Astmuster. Danach fahren wir noch bis in die für den deutschen Jugendstil bekannte Stadt Lüderitz, aber das ist eine neue Geschichte…