Leticia – drei Länder, ein Wald und überall Wasser

Nach unserem Regenwalderlebnis in Peru konnten wir uns die Chance einfach nicht entgehen lassen, den echten Amazonas mit eigenen Augen zu sehen. Wobei sehen ist eigentlich untertrieben, man erlebt den Amazonas einfach mit allen Sinnen, aber der Reihe nach…

Wir landen gegen Mittag in Leticia, dem Ausgangspunkt in das Amazonasgebiet von kolumbianischer Seite. Aber eigentlich spielen Grenzen hier keine Rolle, auf der anderen Seite des Flusses liegt Peru und ein paar hundert Meter die Straße entlang, landet man im brasilianischen Tabatinga. Am Nachmittag in Leticia buchen wir uns eine 4-Tages-Tour in den Dschungel, laufen kurz nach Brasilien und werden zweimal von sinnflutartigem Regen überrascht – glücklicherweise sind wir vorbereitet und haben immer Schirme dabei.

Am nächsten Morgen soll unser Dschungelabenteuer losgehen, davor lernen wir beim Frühstück noch unsere beiden Mitreisenden Ruth aus England und Alexandra aus Spanien – was noch sehr nützlich werden wird – kennen. Es geht zunächst mit einem kleinen Boot nach Brasilien und dann weiter mit einem Schnellboot den Amazonas entlang bis wir den Nebenfluss „Rio Javari“ in Peru erreichen. Diesem folgen wir noch einige Kilometer bis zu einem weiteren kleinen Nebenfluss, an welchem unsere Unterkunft „Zacambu Rainforest“ in Peru gelegen ist.

Man merkt schon, überall ist Wasser und es dauert auch eine Weile, bis wir die Ausmaße so richtig verinnerlicht haben. Es sind einfach unverstellbare Mengen Wasser, die sich hier durch den Dschungel schlängeln. Wir sind zu Beginn der Regenzeit hier, die Wasserstände sind also noch niedrig, steigen aber ständig an, bis der Amazonas im April/Mai seinen höchsten Stand erreichen wird und mehrere Meter (!!!) über dem heutigen Stand sein wird. Und wir erleben selbst, wie innerhalb dieser vier Tage der Wasserstand um mehrere 10 Zentimeter steigt.

Von unserer Unterkunft aus unternehmen wir die nächsten vier Tage viele Aktivitäten, die wir teilweise auch schon aus Puerto Maldonado kennen. Hier liegt der Fokus aber mehr auf ausgedehnten Wanderungen durch den Regenwald und Bootsfahrten entlang der Flüsse. Wir schwimmen im Fluss (übrigens, hier gibt es Piranhas), suchen Kaimane und pinke Delfine, entdecken eine Vielzahl von Vögeln und sichten sogar einen Ameisenbären, der auf einen Baum flüchtet als er uns hört, und ein Faultier. Da unser Guide fast nur Spanisch spricht, übersetzt Alexandra zunächst für uns oder wir verständigen uns mit Händen, Füßen und den paar Brocken Spanisch die Ruth und Kerstin so zusammenbekommen.

Am zweiten Tag kommt dann noch eine Gruppe Amerikaner und zwei Züricher dazu und wir gehen zum Piranha-fischen. Zunächst ist Ruth so hysterisch, dass sie etwas gefangen hat, dass sie den Fisch beinahe auf Tobis Kopf schleudert. Dann entkommt ein Piranha aus irgendjemandes Händen und springt durch das Boot und zu guter Letzt ist einer der Amerikaner so fasziniert von seinem Fang, dass er seinen Piranha kurz aus den Augen lässt und prompt in den Finger gebissen wird – ihm fehlt danach ein Stück seiner Fingerkuppe… Da sind wir doch ganz froh, dass wir uns mit zuschauen begnügen, und Tobi und eine der Amerikanerinnern Spaß daran entdecken die Piranhas vom Boot aus mit Hühnerhaut zu füttern.

Am dritten Tag steht für Ruth und uns eine 6-stündige Wanderung durch den Dschungel auf dem Programm, hier sehen wir wieder einige faszinierende Tiere, zwei Tukane, Taranteln und wunderschöne Vögel… und wir kommen nach der Hälfte der Wanderung in einen rund einstündigen Regenschauer. Danach zeigt sich der Regenwald mit einem völlig anderen Gesicht, alles glänzt mystisch und man merkt, wie sich die Tiere langsam wieder aus ihren Verstecken trauen.

Am letzten Tag paddeln wir noch mit einem Kanu durch den See neben der Lodge (welcher zur Hochregenzeit mit dem Fluss verbunden ist), bevor wir zurück nach Leticia gebracht werden und in den Flieger in Richtung Cartagena steigen und diese ereignisreichen Tage erstmal verdauen können..

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